„Gewinn“, Nr. 04 / 2019.

Er hat zielstrebig daran gearbeitet, jetzt sitzt er im Sattel: Der Doppelmagister Thomas Schmid, bislang Generalsekretär im Finanzministerium, wurde vom Aufsichtsrat einstimmig zum Alleinvorstand der neuen ÖBAG, also de facto der Staatsholding in Österreich gekürt. Das ist eine absolute Schlüsselposition und daher war seine Bestellung nicht nur von Beifall begleitet. Manche hätten sich auch einen erfahrenen Konzernmanager dort vorstellen können, jetzt aber steht mit Thomas Schmid ein „Junger“ in großer Verantwortung: Denn der Portfoliowert der Bundesbeteiligungen beträgt rund EUR 30 Mrd. Und, so Thomas Schmid: „Hauptaufgabe der neuen ÖBAG wird es sein, wieder aktives Beteiligungsmanagement zu betreiben, um den Wert unseres Portfolios zu steigern.“

Dieses „Portfolio“ kann sich sehen lassen. Nur zur Erinnerung: Dazu gehören die Staatsbeteiligungen an der OMV (31,5 Prozent), Telekom Austria (28,42 Prozent), Post (52,85 Prozent), Casinos Austria (33,24 Prozent), BIG (100 Prozent), Verbund (51 Prozent, „gehört“ zum Finanzministerium, wird aber jetzt von der ÖBAG „gemanagt“) sowie etliche kleinere Beteiligungen.

Die ÖBAG arbeitet unter völlig neuen Voraussetzungen. Die Vorgängerinstitution namens ÖBIB war nur eine kleine GmbH, die auch nicht in den Aufsichtsräten der großen Beteiligungen vertreten war. Thomas Schmid über den Kurswechsel: „Die ÖBIB hatte die Rolle eines Verwalters eingenommen, der nicht aktiv mitgestalten konnte, da man von Informationen ausgeschlossen war.“ Die ÖBAG hingegen wird die Segel völlig anders setzen: „Die ÖBAG ist die zeitgerechte Antwort auf die Anforderungen des derzeitigen Wirtschaftslebens. Aktives Beteiligungsmanagement bedeutet nicht nur Präsenz in den Aufsichtsräten, sondern auch, das große Ziel der nachhaltigen Erhöhung des Portfoliowerts zu verfolgen, um so einen Beitrag zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich zu erreichen.“

Strategisch passt diese neue Richtung Bundeskanzler Kurz in sein Konzept, es gibt eine moderne Vorwärtsstrategie und eine aktive Wirtschaftspolitik. So nach der Devise „Österreich zuerst“? Offenbar schon, zumindest wenn es um die Interessen der Steuerzahler und des Standortes Österreich geht. So wurde schon in letzter Zeit bei der Telekom Austria ein Österreicher als „General“ bestellt (das Recht dazu hatte man ja) und auch bei den Casinos ist mit einer Topmanagerin die österreichische Wunschkandidatin zum Zug gekommen.

Die ÖBAG wird ein Team der besten Köpfe für die Nachbesetzung der Mandate in den jeweiligen Aufsichtsratsgremien zusammensetzen. In Folge des Rücktritts durch den Ex-Siemens-Chef Löscher als Aufsichtsratsvorsitzenden der OMV sowie dem Auslaufen von sechs weiteren durch die ÖBAG zu bestellenden Kapitalvertretern sind in Summe sieben Positionen im Aufsichtsrat nachzubesetzen. Das Mandat von Wolfgang C. Berndt, der eine hohe Expertise und langjährige Erfahrung und wertvolle Beiträge für den Aufsichtsrat der OMV geleistet hat, soll von der am 14. Mai 2019 stattfindenden Hauptversammlung verlängert werden, zusätzlich steht auch Thomas Schmid zur Wahl. Bei der Post AG sowie bei der Telekom Austria AG bleibt weiterhin Edith Hlawati Aufsichtsratschefin, was sich dort noch tun wird, wird sich bei der Hauptversammlung am 29. Mai 2019 zeigen. Aktueller läuft es beim Stromkonzern Verbund, wo in der am 30. April stattgefundenen Hauptversammlung Thomas Schmid den Vorsitz und der Vorarlberger Industrielle Ohneberg die Stellvertretung im Aufsichtsrat übernommen haben. Einige erste Entscheidungen der ÖBAG im Sinne von wichtigen Aufsichtsrat-Vorschlägen an die zuständigen Gremien sind damit umgesetzt.

Ganz im Sinne einer klaren Strategie versichert Thomas Schmid: „Wir sind keine Finanzholding, sondern eine Beteiligungsholding. Die Aufsichtsräte werden vom Eigentümer bestellt.“ Die ÖBAG wolle sich von Anfang an als anerkannter Partner am Kapitalmarkt etablieren, quasi als Drehscheibe eines Beteiligungsnetzes.

Die Syndikate, wie sie bei der OMV (mit Mubadala in Abu Dhabi) und bei der Telekom Austria (mit den Mexikanern von America Movil) bestünden, sollen signalisieren: „Wir wissen, wohin die Reise geht.“ Nämlich Richtung Wertsteigerung, Nachhaltigkeit, Stärkung des Standortes Österreich und einer tatsächlich erwirtschafteten Dividende. Vorbilder für die Linie einer Staatsholding gebe es ausreichend, der Bogen spannt sich von Norwegen über Dänemark, Finnland, Bayern, Nordrhein-Westfalen bis nach Singapur. Thomas Schmid: „Wir bei der ÖBAG sind nicht der Staat als Unternehmer, sondern wir verstehen uns als unternehmerischer Staat.“

Ein eigenes Beteiligungskomitee mit erfahrenen Managern und Unternehmern soll der ÖBAG bei ihrer zukünftigen Entwicklung zur Seite stehen. Thomas Schmid: „Wir sind nicht an Parteipolitik interessiert, sondern wir wollen das Familiensilber aller Österreicher und Österreicherinnen wertvoller machen.“

Und was ist mit den angeblichen Plänen, auch in die B&C Stiftung, die Anteile an Lenzing, Amag und Semperit hält, einzusteigen? Hier hat sich die Szene offenbar wieder beruhigt. Es gibt ein Nebeneinander, wobei beide Institutionen versuchen, österreichische Standort-und Beteiligungsinteressen zu wahren. Schmid: „Wir haben eine vernünftige Gesprächsebene miteinander, das zeigt sich auch daran, dass der Vorstandsvorsitzende der Lenzing AG, Stefan Doboczky, als ÖBAG-Kandidat für die Wahl zum OMV-Aufsichtsrat nominiert wurde.“

Gemeinsame Initiativen, um österreichische Interessen zu wahren, können nur vorteilhaft sein. Thomas Schmid: „Hätte es die ÖBAG in dieser Form bereits vor ein paar Jahren gegeben, hätten wir österreichische Leitbetriebe wie Jenbacher unter Umständen in österreichischer Hand halten können.“

Damit so ein Ausverkauf nicht wieder einfach „passiert“, möchte die ÖBAG zu einer Drehscheibe österreichischer Interessen und zu einem verlässlichen Partner auf dem Kapitalmarkt werden.

„Die ÖBAG ist die zeitgerechte Antwort auf die Anforderungen des derzeitigen Wirtschaftslebens. Aktives Beteiligungsmanagement bedeutet nicht nur, Präsenz in den Aufsichtsräten, sondern auch, das große Ziel der nachhaltigen Erhöhung des Portfoliowerts zu verfolgen, um so einen Beitrag zur Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich zu erreichen.“