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Thomas Schmid steigt vom Generalsekretär im Finanzministerium zum Alleinvorstand und Geschäftsführer der Staatsholding ÖBAG auf. Der 43 Jahre alte Tiroler wird erster Geschäftsführer der neuen Staatsholding ÖBAG.

Eine lange erwartete und vom trend bereits im September 2018 angekündigte Job-Vergabe ist nun perfekt: Der ÖBAG-Aufsichtsrat hat den 43-jährigen Thomas Schmid, bislang Generalsekretär im Finanzministerium, zum neuen Alleinvorstand der Staatsholding bestellt und löst damit Interimschef Walter Jöstl ab.

Schmid wird seine Arbeit im April aufnehmen und auch in die Aufsichtsräte der ÖBAG-Beteiligungsunternehmen einziehen. In dem der Lotterien hat er bereits seinen Platz.

„Die ÖBAG hat sich ambitionierte Ziele gesetzt. Wir wollen weg von dem Modell der Verwaltungsgesellschaft hin zu einer Gesellschaft mit aktivem Beteiligungsmanagement. Thomas Schmid bringt hierfür die besten Voraussetzungen mit und ist ausgezeichnet qualifiziert, um die ÖBAG zu einer schlagkräftigen und erfolgreichen Standortholding zu machen“, erklärte ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern.

Der Tiroler ist zwar offiziell parteilos, kann aber auf eine lange Karriere in der ÖVP zurückblicken. Er war schon Büroleiter von Ex-Bundeskanzler und ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel und in den Jahren 2004/2005 auch einmal Pressesprecher von Karl Heinz Grasser, als dieser Finanzminister war. Auch für die ÖVP-Minister Michael Spindelegger (Äußeres) und Elisabeth Gehrer (Unterricht) übernahm er wie auch für den ÖVP-Abgeordneten zum Europäischen Parlament, Paul Rübig, die Tätigkeit des Sprechers.

Karriere im Finanzministerium

Spindelegger, der von 2013 bis zu seinem Rücktritt 2014 Finanzminister war, machte Schmid Ende 2013 zum Kabinettschef im Finanzministerium. Unter dem späteren Finanzminister Hans Jörg Schelling wurde Schmid zum Generalsekretär des Ministeriums bestellt.

Erfahrung in Sachen Aufsichtsratstätigkeit hat Schmid auch bereits aufgrund von Aufsichtsratssitzen in der Bundestheater-Holding und bei der KA Finanz. Auch absolvierte Management- und Politiklehrgänge an der London School of Economics (UK) sowie der Universität St. Gallen (CH) sollten dem Neo-Manager in der Ausübung seines neuen Jobs zugutekommen.

Die Bundesimmobiliengesellschaft, OMV, Telekom, Post und Casinos Austria zählen zu den großen Beteiligungsunternehmen der ÖBAG. Der Verbund bleibt im Eigentum des Finanzministeriums, die Beteiligung wird aber künftig von der ÖBAG mitverwaltet. Das Gesamtportfolio im Besitz aller Österreicherinnen und Österreicher beläuft sich auf rund EUR 23 Mrd.

Die vordergründige Aufgabe des neuen Vorstands ist, die ÖBAG zur schlagkräftigen Holding zu machen. „Die ÖBAG übernimmt dabei eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung einiger der wichtigsten Beteiligungen der Republik. Der Aufsichtsrat wird Thomas Schmid bei dieser Aufgabe in einer engen Abstimmung begleiten und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit ihm“, betonte Kern.

ÖBAG Aufsichtsrat

Kern selbst wurde übrigens erst im Februar zum Aufsichtsratschef bestellt. Seine Ernennung galt als faustdicke Überraschung. Er war davor Leiter des Wiener Krankenhauses der Barmherzigen Brüder. Der 53-Jährige an der Spitze des neunköpfigen Aufsichtsrats ist gelernter Unternehmensberater. In den 1990er-Jahren baute er Deloitte Consulting in Österreich auf und übernahm die Gesellschaft 2003 durch ein Management-Buy-out unter dem Namen Beyond Consulting. Der Betriebswirt leitete auch den Bereich Unternehmensberatung des Wirtschaftsprüfers PwC, bevor er im Sommer 2015 bei den Barmherzigen Brüdern eintrat.

Beyond Consulting gehört immer noch ihm, seiner Frau und den 22-jährigen Zwillingstöchtern. Als Aufsichtsrat fungiert Kern im Glücksspielunternehmen bwin.party services (Austria) GmbH. Die erste Wahl für die ÖBAG, das ist bekannt, war der Wiener nicht. Im Jänner stand die PwC-Partnerin Christine Catasta bereits als ÖBAG-Präsidentin fest, musste aber in letzter Minute aufgrund von Compliance-Einwänden ihres Arbeitgebers absagen. Auch bei anderen Kandidaten scheiterte es an Unvereinbarkeiten. Wolfgang Eder, der im Juni als Voestalpine-General ausscheidet, war im Gespräch, zog sich aber zurück.