„Tiroler Tageszeitung“, Michael Sprenger.

Der zielstrebige Aufstieg des Thomas Schmid. Von Westendorf aus über die ÖVP-Ministerbüros bis zum Alleinvorstand der Staatsholding ÖBAG.

Wien. Vor zwei Monaten kam es zur Umwandlung der Staatsholding ÖBIB in ÖBAG. Die Aktiengesellschaft verwaltet die Staatsanteile an der Telekom Austria, der Post, der OMV und weiteren Unternehmen. Ende März wurde – wie erwartet – Thomas Schmid (43) zum ersten Alleinvorstand der Österreichischen Beteiligungs AG bestellt.

Damit hat Schmid vorerst den Höhepunkt seiner Karriereleiter erreicht. Aufgewachsen in Westendorf, studierte er in Innsbruck und Wien Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft. Dann begann im Umfeld der ÖVP sein steiler beruflicher Aufstieg. Angefangen hat er als Pressesprecher. „Nach dem Studium habe ich bei Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und später bei Klubobmann Wolfgang Schüssel meine ersten beruflichen Erfahrungen sammeln dürfen. Ich lernte dort, wie Politik funktioniert, dies legte auch den Grundstein für meine späteren Verantwortungsbereiche. Vor allem Wolfgang Schüssel prägte mich sehr“, sagte er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Sein großer Förderer wurde jedoch der spätere ÖVP-Obmann Michael Spindelegger. So führte sein Weg an der Seite Spindeleggers zuerst ins Außenministerium. Fünf Jahre war er dort für den Außenminister tätig, schwärmt im Nachhinein noch von der „hervorragenden Arbeit“ der österreichischen Diplomatie.

Schmid fiel im Außenamt ob seiner Zielstrebigkeit und seines Fleißes auf. „In dieser Zeit absolvierte ich auch das A-Préalable, die Zulassung für den höheren auswärtigen Dienst, worauf ich sehr stolz bin.“

Als Spindelegger nach der Obmannschaft das Finanzministerium übernahm, erlebte Schmid seinen ersten Karrieresprung. Zuerst wurde er Spindeleggers Kabinettschef. Dies blieb er auch, als dieser im Sommer des Jahres 2014 von all seinen Ämtern zurücktrat. Sein neuer Chef wurde Hans Jörg Schelling. Unter dem amtierenden Finanzminister Hartwig Löger wurde der Tiroler zudem Generalsekretär.

Und vor wenigen Wochen verließ er das Finanzministerium – und ist nun Vorstand der ÖBAG. Das Rüstzeug für diesen Managerjob hat sich Schmid, der außerhalb des politischen Betriebes nie tätig war, im Finanzministerium erarbeitet. „Dort hat sich meine Denke geändert. Effizientes Arbeiten, hohes Arbeitspensum, enorme Termindichte waren dort an der Tagesordnung. Ich habe auf Expertenebene den Kassasturz der vergangenen Regierung betreut. Ich habe für die politische Ebene die Doppelbudgets aufbereitet, war in die Steuerreform eingebunden, und wir strukturierten die Finanzverwaltung neu“, erläuterte er seine Tätigkeit.

Als Pressesprecher habe er gelernt, „komplexe Zusammenhänge“ so zu übersetzen, „damit sie kommunizierbar sind“. Überhaupt war das „Policy making“ immer sein Metier. Doch nun ist er im Topmanagement tätig.

Jetzt kann und muss er sich neu behaupten und beweisen. Er zeigt sich dabei durchaus selbstbewusst. Es war ihm schon klar, als er zum ÖBAG-Chef bestellt wurde. „So einen Job nimmt man, wenn man ihn bekommt.“

Und was wartet nun auf ihn? „Bei der ÖBAG handelt es sich um die Weiterentwicklung der ÖIAG. Es steht nicht die Privatisierung im Vordergrund, Hauptaufgabe der neuen ÖBAG wird es sein, wieder aktives Beteiligungsmanagement zu betreiben, um den Wert unseres Portfolios zu steigern. Die ÖBAG ist die zeitgerechte Antwort auf die Anforderungen des derzeitigen Wirtschaftslebens.“ Schmid sucht zwar nicht mehr so wie früher das Scheinwerferlicht an der Seite des Ministers, aber Pressesprecher kann er – auch in eigener Sache. „Die ÖBAG wird ein Team der besten Köpfe für die Nachbesetzung der Mandate in den jeweiligen Aufsichtsratsgremien zusammensetzen, die unternehmerisch denken und handeln. Wir bei der ÖBAG sind nicht der Staat als Unternehmer, sondern wir verstehen uns als unternehmerischer Staat.“

Sport ist für ihn wichtig. Zum Ausgleich, wie er sagt. Ob er ehrgeizig ist? „Sagen wir zielstrebig. Aber ich bin sicher ein Workaholic, jedoch ein sehr disziplinierter.“

In Wien zieht es ihn immer wieder ins Burgtheater und in die Oper. Zu Tirol hat er aber weiterhin eine enge Verbindung – zur Familie, zu Freunden. Eine Anziehungskraft haben dabei die Berge. Egal, ob er mit dem Mountainbike unterwegs ist oder sich auf einer Skitour befindet.

Sieht er sich auch einmal auf der Regierungsbank? Die Antwort kommt schnell. „Nein, als Minister wäre ich eher ungeeignet.“